Brasilien: E-Auto-Bauer BYD kurzzeitig auf der Liste für moderne Sklaverei
"Moderne Sklaverei in Brasilien: Wie der E-Auto-Bauer BYD mit Arbeitern umgeht"
Der chinesische Autokonzern gerät auf die sogenannte schmutzige Liste für moderne Sklaverei. Nach drei Tagen aber wird BYD dort wieder gestrichen.
Der chinesische Elektroautobauer BYD ist in der vergangenen Woche in Brasilien auf der „schmutzigen Liste“ gelandet – und kurz danach wieder von der Liste verschwunden. Dieses Register verzeichnet Arbeitgeber, die ihre Angestellten sklavenartigen Bedingungen unterwerfen.
Bei einer Kontrolle im Dezember 2024 waren die Behörden im brasilianischen Bahia auf 224 Männer chinesischer Staatsangehörigkeit getroffen, die in dürftigen Unterkünften eingepfercht waren. Viele schliefen auf Betten ohne Matratzen, in einer der Baracken teilten sich 31 Männer eine Toilette. An bis zu sechs Tagen pro Woche arbeiteten sie bis zu zehn Stunden, Wachmänner passten auf, dass niemand das Gelände verließ.
Nach Brasilien gekommen waren die Arbeiter durch einen Betrug: Alle hatten ein Visum als „Facharbeiter“, obwohl es sich um unqualifizierte Bauarbeiter handelte, die beim Bau des Werks für den Autokonzern BYD beschäftigt waren. In der Folge erteilte Brasilien keine temporären Arbeitsvisen mehr für Angestellte von BYD. 163 chinesische Arbeiter wurden aus der sklavenähnlichen Beschäftigung befreit.
Die neueste Ausgabe der schmutzigen Liste, die das brasilianische Arbeitsministerium 2003 geschaffen hatte, verzeichnet nun mehr als 600 Privatpersonen und Unternehmen, darunter 169 Neuzugänge. Bahia liegt nach der Anzahl der Fälle an dritter Stelle, hinter Minas Gerais, geprägt von der Bergbauindustrie, und Sao Paulo. Am häufigsten kommt moderne Sklavenarbeit bei Hausangestellten, in der Rinderzucht, auf Kaffeeplantagen und auf dem Bau vor.
BYD macht Subunternehmer verantwortlich
Üblicherweise bleiben die Namen der Arbeitgeber für zwei Jahre auf der Liste. Der Konzern BYD jedoch verschwand bereits nach drei Tagen wieder: Er hatte eine einstweilige Verfügung beantragt, weil die betroffenen Arbeitnehmer von einem Subunternehmer eingestellt worden seien. Es bestünde kein direkter Arbeitsvertrag zwischen BYD und den Bauarbeitern. Die Beschäftigung von Subunternehmern ist in Brasilien legal. Außerdem gab der Konzern an, er sei durch die Aufnahme in die Liste bei der Teilnahme an Ausschreibungen und Kreditvergaben benachteiligt. Bei der Kontrolle Ende 2024 hatten die Beamten des Ministeriums das gleiche Argument allerdings abgelehnt und BYD dafür verantwortlich gemacht, seine Subunternehmer zu kontrollieren.
Bis zur endgültigen Entscheidung werden sich sowohl die brasilianische Regierung als auch das Arbeitsministerium zu dem Fall äußern. Bis dahin ist der Konzern von der Liste gestrichen. Eine Anfrage der taz zu den Vorfällen rund um die schmutzige Liste ließ BYD unbeantwortet.[...]
Zum ersten Mal seit Existenz der schwarzen Liste griff 2025 der Arbeitsminister Luiz Marinho mehrmals direkt in die Arbeit der Behörden ein und entfernte – entgegen der Einschätzung der Kontrollbeamten – drei Konzerne von der Liste. Aus Protest kündigten neun leitende Kontrolleure ihren Job. Kritiker fürchten eine Politisierung der ursprünglich technischen Entscheidungen. Seit Beginn der Kontrollen im Jahr 1995 wurden in Brasilien 68.000 Menschen befreit.
Im Januar 2026 unterzeichnete BYD zusammen mit zwei Subunternehmern einen Vergleich über die Zahlung von 40 Millionen Real. Die Summe geht teilweise direkt an die befreiten Arbeiter, teils in einen Fonds für Entschädigungszahlungen aufgrund des kollektiven immateriellen Schadens. In einer Mitteilung versicherte ein Konzernsprecher, dass BYD die Menschenrechte unbedingt respektiere und auf der Basis brasilianischer Gesetzgebung und internationaler Normen des Arbeitsschutzes agiere. [...]