Deutschland: Aktivist:innen rufen wegen hoher CO₂-Emissionen und weltweiter Menschenrechtsverletzungen zum Protest gegen Heidelberg Materials auf; inkl. Unternehmenskommentar
"Proteste gegen die Zementindustrie: Sie wollen Zement beenden"
Klimaaktivist:innen rufen zum Protest gegen Heidelberg Materials auf. Der Baustoffkonzern ist der größte CO₂-Emittent Deutschlands.
Wer auf die Webseite des Zementproduzenten Heidelberg Materials geht, sieht vor allem erst mal viel grüne Farbe und Gerede von Nachhaltigkeit. Dass der Konzern nun trotzdem im Mittelpunkt einer ganzen Aktionswoche von Klimaaktivist*innen steht, liegt daran, dass diese Darstellung mit der Realität wenig zu tun hat.
Denn die Zementindustrie ist weltweit für gigantische CO₂-Emissionen verantwortlich: 8 Prozent des globalen Treibhausgasausstoßes sind auf sie zurückzuführen. Unter allen DAX-Konzernen ist Heidelberg Materials seit Jahren der größte Luftverpester überhaupt.
Doch anders als etwa in Frankreich, wo die inzwischen verbotene Gruppe Aufstände der Erde (Les Soulèvements de la Terre) schon länger mit spektakulären Aktionen gegen die Zementindustrie kämpft, gab es in Deutschland bisher vergleichsweise wenig Protest gegen die Branche. In Heidelberg will das ein breites Bündnis aus lokalen Initiativen ändern. Unter dem Motto „It’s time to end cement“ mobilisiert das Bündnis für die kommende Woche zum inzwischen zweiten Protestcamp „gegen die dreckigste Industrie, über die niemand spricht“. [...]
Derart klimaschädlich ist Zement, weil bei der Herstellung zwangsläufig CO₂ entsteht: Bei der Umwandlung von Kalk zu Klinker wird das Treibhausgas chemisch freigesetzt. Und weil dafür Temperaturen von über 1.400 Grad nötig sind, verschlingt die Produktion enorme Energiemengen. Für Heidelberg Materials gibt es für all das aber technische Lösungen. Man setze auf alternative Brennstoffe, schreibt eine Konzernsprecherin der taz. Zudem investiere der Konzern in Carbon Capture and Storage (CCS) – will also ausgestoßenes CO₂ auffangen und tief unter der Erde einlagern. [...]
Immer wieder werden gegen die Tochterunternehmen von Heidelberg Materials auch Vorwürfe erhoben, in weltweite Menschenrechtsverbrechen verwickelt zu sein. Sie betreiben etwa Ressourcenabbau in der von Marokko besetzten Westsahara sowie im israelisch besetzten Westjordanland. Proteste gegen die Praxen von Konzerntöchtern gibt es auch in Indonesien, Togo und Australien.
Die Konzernsprecherin schreibt der taz, man habe „Managementprozesse“ eingerichtet, um entlang der Lieferkette auf die Einhaltung der Menschenrechte zu achten. Grundsätzlich bekenne man sich zur „Achtung der Menschenrechte, einschließlich des Selbstbestimmungsrechts der Völker in allen Ländern, in denen wir tätig sind“.
Den Aktivist:innen reicht das nicht. Sie fordern einen unabhängigen Menschenrechtsbericht und einen Menschenrechtsfonds, der direkt aus der Dividende des Konzerns finanziert wird. „Das wird der Konzern nicht freiwillig machen. Dafür braucht es politischen Druck und öffentliche Aufklärung“, sagt Sprecherin Sotoodeh.